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gs:o:1976

1976 - Das Olympiajahr

Der Sportplan des DBV gab einen guten Überblick zu den Vorhaben und deren Stellung im Sportjahr. Mit der frühzeitigen Orientierung auf die Europameisterschaft 1977 in Halle, auf die Kinder- und Jugendspartakiade und die internationalen Turniere sollte der Höhepunkt in Montreal richtig vorbereitet werden. Hinzu kamen Hinweise auf die reale Mitgliederwerbung, auf die Kampfrichter- und Übungsleiterausbildung. Neu waren Formulierungen über die bereits praktizierte Förderung des Sports über und durch den Europa- und Weltverband. Forschungen zum Boxsport unter der Leitung von Dr. Fiedler in Leipzig waren mit der Herausgabe des Buches: „Boxsport“ ein wichtiger Schritt zur einheitlichen Ausbildung gelungen. In diesem Buch sind die Kapitel von Sportfunktionären, Wissenschaftlern und Praktikern erarbeitet. Das lässt sich nur im Detail ergänzen.

Der große Höhepunkt war natürlich die Meisterschaft, da sie die wahrscheinlich stärksten Kämpfer zusammenführte, um die Auswahl für Olympia zu treffen. Vom 23. – 27. März war Schwerin der Wettkampfort. 108 Teilnehmer mit einem Durchschnittsalter von 21, 7 Jahren zeigten den Verjüngu gsprozess im Boxsport. Auf dem Weg über die Meisterschaft nach Olympia bestätigte sich, dass die Spitze weitgehend ihre Positionen verteidigte. Vor heimischem Publikum gewannen Nowakowski und Blachfeld den Meistertitel, und damit den 35. und 36. Titel für Schwerin. Die Titelträger: Geilich, Gertenbach, Förster, Nowakowski, Kraus, Beyer, Bachfeld, Rostankowski, Wittenburg, Sachse und Fanghänel.

Versetzt zu den Meisterschaften fand die II.DDR-Bestenermittlung in Magdeburg statt, um den Betriebssportgemeinschaften einen besonderen Anreiz zu geben. Vorausgegangen waren Gruppenkämpfe. Die zeigten nur eine geringe Breite des Seniorenboxsports in den Bezirken und Begrenzte das Teilnehmerfeld. Die Sieger der Bestenermittlung waren (vom Halbfliegen- bis Schwergewicht): Matthes (Hennigsdorf), Schapitz (Magdeburg), Schmidt (Magdeburg), Junghans (Oelsnitz/E), Hoppens (Leipzig), Roth (Magdeburg), Rieger (Hennigsdorf), Klotzsch (Hennigsdorf), Sziller (Hennigsdorf), Steffens (Hennigsdorf), Schröder (Halle).

Um die Jugendmeisterschaft vom 17.- 21.03.1976 bewarben sich 98 Titelaspiranten aus den 14 Bezirken, denn nur der gastgebende Bezirk Suhl war nicht mit Aktiven vertreten. Als der „Beste Boxer des Turniers“ wurde der Federgewichtsmeister Salbach von SC Chemie Halle ausgezeichnet. Doch auch Kegebein und K.-D. Schulz zeigten überdurchschnittliche Leistungen. Die DDR Meister 1976:

Oldenburg	SC Traktor Schwerin
Wehner 		SC Cottbus
Kegebein	SC Traktor Schwerin
Kuczmann	SC Traktor Schwerin
M.Mehnert	SC Chemie Halle
Salbach		SC Chemie Halle
Hunger		SC Chemie Halle
Baranowski	Motor Babelsberg
K.-D.Schulz	TSC Berlin
Mosinski	SG Wismut Gera
Fabian		SG Wismut
Zarmer		SC Dynamo Berlin
Schmid		SG Wismut Gera

Eng verbunden mit den Jugendmeisterschaften war auch wieder die Bestenermittlung für die Jugend, ausgetragen in Falkensee. 48 Aktive aus 13 Bezirken gingen über die Waage (ohne Schwerin und Suhl). Herausragende Kämpfe lieferte der Kinder-Spartakiadesieger von 1975 und 1976 Koch von der ASG Vorwärts Berlin.

Nicht im bisher üblichen Zeitraum der Sommerferien starteten die Meisterschaften der Kinder (12-14 Jahre alt), sondern bereits im Mai. Das brachte für die Organisatoren in Limbach-Oberfrohna viele Probleme, die durch die Nutzung des Pionierlagers für Unterkunft und Wettkampf aber gut gelöst werden konnten. Doch die 220 Bewerber, die um die 18 Titel stritten, stellten sich als Repräsentanten in der Klub- und Bezirkswertung vor. In der Clubwertung siegte die SG Wismut Gera und in der Bezirkswertung Schwerin. Als die besten Boxer dieses Turniers erhielten H.Krüger (ASK Frankfurt), Rauschning (SG Wismut Gera) und Oerten (SG Wismut Karl-Marx-Stadt) Auszeichnungen.

Der Höhepunkt im sportlichen Leben der jungen Boxer war die VII. Bezirks-Kinder und Jugendspartakiade vom 9.-11.Juli 1976, die in allen Bezirken ausgetragen wurde. Im Bezirk Potsdam gab es 256 Meldungen der 21 Boxsektionen. Bekannte Sportler, die in jener Zeit Boxen lernten sind: Stiller und Maske.

Das Finale der DDR Juniorenmeisterschaft fand vom 1.-4. April in Wittenberg statt. Es war ein Triumph der Schweriner, die fünf Finalisten stellte und davon vier auf den 1. Platz landeten (Marx, Fox, Büsch und Watzke). In fast allen Begegnungen finden wir die Namen wieder, die in den folgenden Zeiten das Boxgeschehen entscheidend mitbestimmten. So besiegte im Leichtgewicht Fink (ASK) – Richter von Wismut Gera. Im Weltergewicht gab es ein Punkturteil von 4:1 für Kästner (SCD) gegen Zack (SC Chemie) und im Schwergewicht konnte Kohnert (TSC) seinen Gegner Kaden (SG Wismut) bereits in der 1. Runde besiegen.

Das VI. Internationale Boxturnier von Halle um den Chemiepokal prüfte 56 Starter aus dem Ausland und 30 DDR Boxer im Ring. Dieses Turnier sollte die letzte Überprüfung vor den Olympischen Spielen sein und gleichzeitig eine Generalprobe für die XXII. Europameisterschaften, die ein Jahr später an gleicher Stelle ablaufen sollten. Mit seinen Leistungen begeistern konnte Halbfliegengewichtler Geilich. Doch auch Förster, Beyer und Nowakowski sahen mit ihrem Sieg eine Chance für die Olympiafahrkarte. Acht Boxer umfasste das Aufgebot des DBV für die Olympiade in Montreal, die unter der Leitung des Generalsekretärs Jakobi und des Nationaltrainers Thomas und des Clubtrainers Wolke eine Medaille erringen wollten.

Im Olympischen Turnier mit 267 Teilnehmern aus 53 Ländern schlugen sie sich hervorragend. Nach sechs Siegen errang Jochen Bachfeld als dritter Boxer des DBV eine Goldmedaille. Eine Silberne folgte durch Nowakowski, der im entscheidenden Kampf gegen Herrera (Kuba) in der 2. Runde verlor. Halbweltergewichtler Bayer boxte den Amerikaner Leonhard in den „vielleicht größten Kampf seines Lebens“ 1) und wurde aber nicht als Sieger gekürt, was auch Kommentare auslöste.

In der DDR wurden diese sportlichen Leistungen mit hohen staatlichen Auszeichnungen anerkannt.

Als ein Treffpunkt für die Olympiahoffnungen der DDR, aus Polen, der CSSR, Ungarn und der UdSSR war das IV.Schweriner Turnier der 82 Boxer unter 19 Jahren zu werten. Der Verbandstrainer Debert hatte nicht nur Junioren, sondern auch einigen Jugendmeistern einen Startplatz ermöglicht. Und diese zeigten hervorragende Kämpfe. So konnte der Schweriner Kuczmann erst durch den amtierenden Junioren- Meister Fox besiegt werden. Dieser hatte bereits zum dritten Male dieses Turnier gewonnen. Weitere DDR Sieger: Kegebein, Fink, Käsebier, Petznik, Seefeld, Gebauer. Und im Schwergewicht musste Kohnert, in der Punktwertung vorn liegend, den Sieg nach einer Verletzung noch abgeben.

In Vorbereitung auf die Junioreneuropameisterschaft in Izmir (Türkei) unterzog Nachwuchstrainer Debert mit dem Länderkampf gegen Ungarn den Auswahlkaderkreis einer weiteren Prüfung. Die Boxer des DBV waren in taktisch-technischer und konditioneller Vorbereitung besser ausgebildet. Sie siegten in 1. Kampf mit 16: 6 und in der 2. Veranstaltung mit 12:10. Die besten Leistungen zeigten Fehre, Ludwig, Gebauer und Mannschaftskapitän Bauch. Auch in den beiden Vergleichen gegen Rumänien siegte der DBV mit 12 : 10, haderte aber immer mit dem teilweise sehr unsportlichen Wertungen der Kampfrichter 2).

In Izmir gelang es erstmals drei Starter bis ins Finale zu bringen. Es gab jedoch keinen 1. Platz. Silber errangen Kägebein im Halbfliegengewicht, Fink und Kohnert. Einen 3. Platz erkämpfte Kästner, von den Kampfrichtern benachteiligt 3).

Der letzte Höhepunkt des Jahres war für die jungen Boxer bis zum 19. Lebensjahr der XII. Wettkampf der Freundschaft, die diesmal in Isla de Pinos (Kuba) ausgetragen wurde. Acht von den 63 Startern kamen aus der DDR. Die beste Leistung mit Siegen gegen die kubanischen Boxer und den Vertreter der UdSSR zeigte Fliegengewichtler Graul, der die einzige Goldmedaille für den DBV sicherte. Das VII. Internationales Boxturnier von Berlin vom 3.-7.Oktober zog 84 Aktive aus 11 Ländern nach Berlin. „Kein Gold für die DDR-Meister“ lautete die Überschrift der Fachzeitung, denn nur die Vizemeister J.Schultz (Halbfliegengewicht) und Schwergewichtler D. Meyer konnten sich platzieren. Die Kritik an dieser geringen Medaillenausbeute traf dann die Klubleitungen, die mit ungenügenden Mitteln die Kämpfer auf dieses Turnier vorbereitet hatten.

Auch die Starts bei vielen internationalen Turnieren verlangte eine kontinuierliche langfristige umfassende Vorbereitung, vor allem für die leistungsstärksten Boxer. Bein VI. Hollandturnier in Rotterdam errangen die vier Starter Gertenbach, Nowakowski, Beyer und Zornow drei Mal der 1. Platz. Beim Turnier in Ostrava siegte Jacob von der SG Wismut Gera. Aber auch beim Kampf um den „Silbernen Handschuh“ in Slupsk konnten alle eingesetzten Boxer eine Medaille erringen.


1) Boxring 9/1976, S. 6
2) Boxring (/1976, S. 3
3) Boxring, 11/1976, S. 4
gs/o/1976.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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