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gs:o:1975

1975 - Ein Sportjahr wie jedes andere

Der Boxring Nr.1/1975 informierte seine Leser über den Einsatz von Trainer Peter Thomas und Kurt Rosentritt zur Schulung von Nationaltrainern aus 17 afrikanischen Staaten. Bereits einige Jahre vorher waren Trainer unterwegs, um die Sportarbeit in jungen Staaten zu unterstützen. Gleichzeitig aber waren auf dem Gebiet der DDR die Probleme in der Förderung des Leistungssports nicht geringer geworden. Es gab das feste Wettkampfsystem von den Kindern, über die Jugend und Junioren bis hin zu den Männern. Konnten in den Kinderklassen bei den Wettkämpfen in den Bezirken fast alle Gewichtsklassen besetzt werden, verringerte sich die Anzahl der Starter in der Jugend und noch mehr bei den Junioren. Hier wirkte sich die Neuorientierung der Jugendlichen nach dem Verlassen der Schulen und dem Beginn der Berufsausbildung immer stärker aus. Vor allem in den unteren Gewichtsklassen fehlten bei den Bestenermittlungen die Wettkämpfer. So sank die Teilnehmerzahl in Erfurt um 50 Prozent (Boxring 4/1975, S.5f). Rostock meldete 29 Aktive und Frankfurt führte keine Meisterschaft durch, sondern meldeten acht Kämpfer für die Finalteilnahme.

Die Finalrunde zur 27. DDR-Meisterschaft im Boxen sah mit den Finalteilnehmern der Bestenermittlung und allen Angehörigen der Klubsektionen 102 Aktive am Start. Doch nicht alle erreichten eine herausragende Form. Geilich und Gertenbach gewinnen überlegen. Der Finalkampf zwischen Rocke und Langer im Bantamgewicht hätte unentschieden lauten können, wenn auch Rocke zum Sieger erklärt wurde. Förster konnte sich gegen Nowakowski nur durch seine bessere Kondition zum Kampfende hin durchsetzen. Radowski, Beyer und Franz siegten eindeutig. Einen Abstieg um zwei Gewichtsklassen schaffte Heinemann in das Halbmittelgewicht. Hier besiegte er den einzigen im Finale verbliebenen Sieger der Bestenermittlung Peter Wegner bereits in der 1. Runde. Ohne Glanz setzte sich im Mittelgewicht Wittenburg durch, der noch weit von seiner Form entfernt war. Und auch Sachse und Fanghänel konnten die hohen Erwartungen an überragende Leistungen im Finale nicht bestätigen. Und das im Jahr der XXI. Europameisterschaften, die 2 Monate nach diesen Titelkämpfen starteten. Und so waren auch die Leistungen der Aktiven trotz des höheren Niveaus mit dem (umstrittenen) 2.Platz des Vizemeisters Wittenburg im Mittelgewicht und den Bronzeplätzen von Bayer und Sachse nicht entsprechend der Erwartungen (Boxring 7/1975, S.7). Danach beherrschten die Turniere das Boxgeschehen.

Die Austragung der XI. „Jugendwettkämpfe der Freundschaft“ in Halle ermöglichte es dem Gastgeber, mit 21 Aktiven an den Start zu gehen. 19 Boxer waren noch im Halbfinale und 11 im Finale vertreten. Doch nur Fink, Massalski, Rostankowski und Jende konnten den Sieg erringen. Da bereits kurze Zeit später die Spartakiade stattfand, erhielten die Starter vom Turnier der Freundschaft keine Starterlaubnis, da die Erholungszeit nach diesen Kämpfen nicht ausreichte. So traten es neue Namen auf, die später den Spitzenbereich verkörpern. Dazu zählten: David, Heine, Woge, Kästner, Marx und Kohnert. Doch nicht nur die Siege bei großen Turnieren waren für die Boxentwicklung in der DDR entscheidend, sondern auch lokale Höhenflüge. Bei den III. Geraer Boxmeisterschaften der Schulen beteiligten sich 157 Kinder und Jugendliche aus 19 Schulen und schufen so eine Grundlage für die Popularisierung des Boxsports in Gera.

Der Studentenboxsport hatte seinen Höhepunkt mit der Meisterschaft im Dezember in Plauen. Vorausgegangen waren Turniere im Magdeburg und Cottbus. (Sieger vom Fliegen- bis Schwergewicht: Trumpold, Fussel, Küver, Helmbold, Petzold, Riedel, Adam, Sommerfeld, Halbschwer nicht besetzt; Raudszus ). Wie bisher beteiligten sich an den anderen Studenten-Veranstaltungen keine Boxer der Sportclubs. Durch das Nebeneinander von Meisterschaft und einem Nachwuchsturnier erhielten mehr Sportler eine Wettkampfmöglichkeit, die „Könner“ und Anfänger im Boxsport nicht in einem Turnier zusammenführte.

Das internationale Turnier „Giraldo Cordova Cardin“ in Kuba brachte 1970 durch Bieber und B. Anders einen Turniersieg. Erst 1975 konnte, als einziger Ausländer, Nowakowski wieder für die DDR einen Turniersieg erreichen. Schwergewichtler Meyer wehrte sich gegen den sehr gut vorbereiteten Stevenson nur zwei Runden erfolgreich, brachte aber die Silbermedaille mit nach Hause.

Etwas leichter hatten es die Aktiven beim Balaton-Turnier. Hier errang Ritscher Gold, Hadler und Schade Silber und 3. Plätze gab es für Ruhnau und Künzel. Die subtropischen Temperaturen und die hohe Luftfeuchtigkeit ließ die DDR Teilnehmer an der XII. SKDA-Meisterschaft in Phöngjang (Korea) nicht zur vollen Leistungsfähigkeit kommen. Sie erreichen fünf Bronzemedaillen.

Dagegen konnten die vier Starter beim VI. Leningrader Turnier überzeugen. Erstmals gelang es Wolfgang Liebing für den DBV einen I. Platz zu erkämpfen. Auch die Leistungen von Dietmar Schnieber und Konrad Ritscher, die Bronze erkämpften, beruhten auf guter taktisch-technischer Ausbildung.

Der Höhepunkt für den Herbst jeden Jahres bildete das zum VI. Mal ausgetragene TSC Turnier. Den 31 Aktiven des DBV unter Leitung von Verbandstrainer Peter Thomas standen 62 teilweise herausragende ausländische Starter gegenüber. Doch die vier Turniersieger mit Nowakowski, Bayer, Sachse und Meyer bewiesen, dass sie zur Weltspitze gehörten.


gs/o/1975.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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