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gs:o:1957

1957- Orientierung auf einen eigenen Verband

Die Ergebnisse der sportlichen Entwicklung von 1956 ( erste Olympische Goldmedaille für den Boxsport, Schritte der Zusammenarbeit mit dem DABV, Teilnahme an internationalen Veranstaltungen) waren der Ausgangspunkt für weitere Aufgabenstellungen zur Förderung des Boxsports, was immer als ein Mittel zur Stabilisierung der DDR gesehen und gehandhabt wurde.

An erster Stelle der Bemühungen standen die Ziele zur Leistungssteigerung der besten Boxer. Der internationale Leistungsvergleich mit starken Mannschaften und Freundschaftsbande sollten den weiteren Leistungszuwachs bringen.

Die Ausbildung des Nachwuchses war nicht mehr eine neben-geordnete sportliche Tätigkeit, sondern ein Schwerpunkt der Arbeit. Besonders die Jugendfestspiele in Leipzig sollten zum Erlebnis werden und die sportliche Talentewicklung fördern. Nach den Diskussionen der vergangenen Jahre über den Beginn des Schülerboxens erfolgten die ersten praktischen Schritte. Die Arbeit von Kreis- und Bezirksfachausschüssen war als ein Mittel der pädagogischen und sportlichen Führung konzipiert. Entsprechend der politischen Vorgaben war der Boxsport in den Schulen der Städte und Dörfer, in den Lehrwerkstätten, in Betrieben und in den MTS- Stationen (Ausleihstationen für landwirtschaftliche Maschinen) einzuführen und zu festigen. Diese weitreichende politische Zielsetzung war aber auf der Grundlage der noch nicht ausreichenden Bedingungen nur bedingt umsetzbar.

Die Beziehungen zwischen dem DABV und der Sektion Boxen versachlichten sich und wurden abgekühlter. So müssten westdeutsche Vereine Berichte über die Vergleiche mit DDR Mannschaften abgeben. Die Sektion Boxen zog nach und verlangte Anmeldungen von Starts außerhalb der DDR 1), zugleich erschwerte die Übersiedlung von Sportlern von Ost nach West die Kommunikation. Der Gedanke einer einheitlichen Sportbewegung in Deutschland wurde nun auch in der DDR nicht mehr verfolgt, sondern eine eigenständige, auf nationalen Traditionen beruhende Sportorganisation aufgebaut. Die Vorbereitungen und Diskussionen um die Gründung des Deutschen Boxverbandes der DDR begannen.

Auch der Vorschlag „Deutsche Meisterschaften“ statt DDR-Meisterschaften durchzuführen, ist ein Ausdruck der Eigenständigkeit und der sich verschärfenden Gegensätze.

Bis Mitte März 1957 waren die Bezirksmeisterschaften abgeschlossen. Es folgten die Gruppenkämpfe. Nur wenige Bezirke stellten keine komplette Staffel. Die Leistungen in den Gruppenkämpfen waren nach Einschätzung der Trainer sehr gut. Doch es durfte nicht übersehen werden, dass die Anforderungen an den Halbdistanz- und den Nahkampf noch nicht internationalen Anforderungen entsprachen. Im Finale der Meisterschaft standen sich am 31. 03. 1957 in Berlin gegenüber: (Sieger zuerst genannt , vom Fliegen- bis Schwergewicht)

Milleck, Berlin 	-	Dzikus, Halle 
Berendt,Berlin		-	Purwin, Riesa 
Schulz, Berlin		-       Schmidt, Schwerin
Voigt, Senftenberg 	-	Labahn, Schwerin 
Guthschmidt, Riesa	-	Birke, Senftenberg 
Posorski, Riesa 	-	Sawistovski, Senftenberg 
Caroli,R. Halle 	-	Büchsenschuß, Berlin 
Nickel, Schwerin 	-	Lehmann, Cottbus 
Robak,  Berlin		-	Böttcher, Karl-Marx-Stadt 
Preuß,  Berlin		-	Kohnert, Magdeburg 

Bereits unmittelbar nach der Meisterschaft kam es zu einem Länderkampf gegen Schweden, der eingeordnet werden muss in die Vorbereitung auf die Europameisterschaft. Wenn er auch mit 8 : 12 verloren ging (im Schwergewichtskampf sprechen die Zeitungen von einem krassen Fehlurteil) ist die Verbandsleitung mit den Ergebnissen zufrieden.

Doch die Europameisterschaften brachten nicht den erwarteten Erfolg. Die Bronze- Medaillen von Rolf Caroli und Paul Nickel entsprachen nicht den höheren Erwartungen. Da die Boxer nicht in der besten körperlichen Verfassung angetreten waren, Selbstvertrauen fehlte und auch taktische Elemente Fehler aufwiesen, stellte sich die Frage nach optimalen Trainingskontrollen wieder. Umgesetzt werden konnte die „Vorbereitungskontrolle“ bei den anstehenden Länderkämpfen.

Auch an der III. Internationalen Sportwoche in Moskau, zu dem 18 Länder mit 104 Boxsportlern gemeldet hatten, beteiligte sich der Boxverband, konnte aber keinen Sieger stellen.

Die Juniorenmeistertitel, die in Erfurt ausgeboxt wurden, zeigten die Schwächen in den einzelnen Gewichtsklassen. Es gab in den einzelnen Gewichtsklassen nicht genügend qualifizierte Bewerber, wie die Kampfanzahl zeigt. Den Titel eines Juniorenmeisters der DDR errangen:

Papiergew.: B:		Klaus Thurm		bisher   3 	Kämpfe ausgetragen
Papiergew.: C.		Wolfgang Paetau			 7
Fliegengew.:		Karl Heinz Möhwald		21
Bantamgew.:		Dieter Schäfer			35
Federgew.:		Horst Balling			23
Leichtgew.:		Wilfried Rühl			40
Halbwelt.gew.:		Bruno Guse			47
Weltergew.:		Hans Dieter Neidel		31
Halbmittelgew.:		Dietrich Petsch			46
Mittelgew.:		Harald Frank			17
Halbschwergew,.:	Wolfram Conradi			20
Schwergew.:		Karl Werner			14

Eine erste internationale Vergleichsmöglichkeit für die Junioren bot sich mit dem Länderkampf gegen eine polnische Auswahl. Dieser konnte mit 14 : 6 gewonnen werden.

Die Förderung des Nachwuchses war auch Ziel des II. Nationalen Junioren Boxturniers Ende August in Schwerin. Dort trafen die Junioren-Mannschaften von Hamburg, Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt aufeinander. Den Endkampf bestritt Sachsen-Anhalt gegen Westfalen ( 9 : 11 ).

Ein Gewichtsklassenturnier in Leipzig, vom Welter- bis Schwergewicht gewannen Kutschend (Magdeburg ), Rast, Klengler, Peters (alle Leipzig ), Bernhardt (Berlin ) und Zaddach ( Leipzig ).

Die Mannschaftsmeisterschaft der Oberliga sah in der Staffel I den SC Wissenschaft Halle und die der Staffel II den SC Traktor Schwerin vorn. Im Finalkampf konnte der SC Traktor Schwerin mit Schlinck, Schäfer, Labahn, Rühl, Guse, Müller, Nagel, Nickel und Karnstädt mit 12 : 8 die Meisterschaft gewinnen. Damit setzte sich die mit einem Durchschnittsalter von 21, 5 Jahren jüngste Staffel in der Oberliga durch.

Als der Boxring in seiner Ausgabe 31/1957 auf der Seite 12 Nelli Kolewa als einzige Punktrichterin der Welt vorstellte, gab es auch Veröffentlichungen zum Thema Frauen und Boxsport. Doch durch das Präsidium wurde diese Diskussion in eine Bahn gelenkt, die besagte, dass Helfen in der Organisation möglich sei, aber ein Wettkampf von Frauen wird es nicht geben.


1) vgl.: Boxring, 9/1957, S.2/S.5
gs/o/1957.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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